Pressebericht des SÜDKURIER vom 04.05.2012 von Claus Bingold:
Wie Schüler Unternehmen führen
Seit zehn Jahren lernen Schüler der Kaufmännischen Schule Waldshut in Übungsfirmen, wie ein Betrieb funktioniert. Doch das Projekt ist in Gefahr.

Mit den Übungsfirmen bietet das Berufskolleg an der Kaufmännischen Schule seinen Schülern eine exzellente Möglichkeit, sich ganz gezielt und praxisnah auf ihr Berufsleben vorzubereiten. Dank des Engagements der Patenfirmen gibt es inzwischen mit „Seduchair“ (Firma Sedus Stoll, Waldshut), Rotation (Rotho Kunststoff, Görwihl), „Candyshop“ (Günthart, Hohentengen) und „Elecatech“ (Hettler, Waldshut) vier Übungsfirmen an den Berufskollegs der Schule.
In seiner Festansprache erinnerte Schulleiter Karl-Heinz May daran, dass die Kaufmännische Schule Waldshut eine der ersten Schulen im Land war, die sich an dem Modellversuch „Kaufmännisches Berufskolleg mit Übungsfirma“ beteiligte.
Die Übungsfirmen arbeiten wie echte Unternehmen, allerdings finden Warenverkehr und Zahlungen nur auf dem Papier statt. Mit eigener Betriebssoftware werden sämtliche in einem Unternehmen anfallenden Geschäftsvorgänge simuliert, von der Kundenakquisition bis zur Produktauslieferung. Die kaufmännische Organisation entspricht damit dem Aufbau eines realen Handelsbetriebes mit den Abteilungen Einkauf, Verkauf, Personal- und Rechnungswesen sowie Marketing.
Es bestehen, auch postalische, Geschäftsverbindungen zu anderen Übungsfirmen, die über einen zentralen Übungsfirmenring (ZÜF) koordiniert werden.
Der Lehrermangel gefährdet die Ausbildung
Vertreter des Landratsamtes als Schulträger und der Patenfirmen Sedus Stoll und Hettler würdigten die Übungsfirmen als einzigartiges Erfolgsmodell. „Die Übungsfirmen vermitteln ihren Absolventen anderen Schülern gegenüber enorme Vorteile und darüber hinaus soziale Kompetenzen, die später für sie von größtem Nutzen sind. Vorteile erwachsen nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Ausbildungsbetriebe.“ Allerdings ist dieses Erfolgsmodell laut Schulleiter May jetzt gefährdet: „Bei sechs Abgängen von Lehrkräften wurde uns von Stuttgart lediglich eine Stelle zur Ausschreibung zugestanden. Betriebe müssen also künftig damit rechnen, kaum mehr beruflich vorqualifizierte Auszubildende einstellen zu können.“ Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde von Fabienne Werner und Nicolai Kezia am Flügel.